2014

PM 23.09.2014 #1 –

„Breite Unterstützung für zebra – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe e.V.“
Mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ sollen erstmals flächendeckend Beratungsangebote für Betroffene rechter Angriffe geschaffen werden. Seit gestern liegen nun die Förderrichtlinien vor.In Schleswig-Holstein hat sich mit „zebra – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe e.V.“ mit viel ehrenamtlichem Engagement ein entsprechender Träger gegründet. Der Verein ist bundesweit vernetzt und gehört zu den Erstunterzeichner_innen der Qualitätsstandards für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Für eine professionelle Arbeit, die diesen Richtlinien genügt, reichen die bereitgestellten Mittel jedoch nicht aus.Dass ein Bedarf für ein spezifisches Beratungsangebot besteht, ist für Melanie Groß, Professorin an der Fachhochschule Kiel, klar. „Obwohl wir wissen, dass ein großer Anteil rechter Angriffe nicht in offiziellen Statistiken auftaucht“, erläutert sie, „weist der aktuelle Bericht des Landesamts für Verfassungsschutz ein signifikantes Aufkommen an rechten Straftaten auf. Davon richtet sich eine Vielzahl direkt gegen Betroffene.“

Dieser Bedarf kann von den bestehenden Angeboten nicht aufgefangen werden. „Um die Zugangsbarrieren, die für Betroffene oft bestehen, zu überwinden, ist ein Ansatz nötig, der Angriffe aktiv recherchiert, um Beratungsangebote zeitnah unterbreiten zu können“, erklärt Nathalie Kegel von zebra e.V.. So blieben viele Betroffene aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, sozialer Isolation oder fehlendem Vertrauen gegenüber staatlichen Institutionen von allgemeinen Hilfsangeboten ausgeschlossen.

„Es gilt zudem, eine Akzeptanz bei den Betroffenengruppen herzustellen, die nur durch strukturelle Unabhängigkeit und Parteilichkeit erreicht werden kann“, ist sich Lars-Arne Raffel, Sozialpädagoge bei zebra e.V., sicher. Eine Beratung von – beispielsweise – Kommunen im Rahmen mobiler Beratung oder eine Aussteiger_innenberatung beim gleichen Träger, so Raffel weiter, würden einen solchen Ansatz verunmöglichen.

Eine breit getragene zivilgesellschaftliche Initiative unterstützt die Etablierung einer landesweiten, unabhängigen Betroffenenberatung durch zebra e.V. und fordert das Land auf, entsprechende Mittel bereitzustellen. In einer Erklärung, zu deren Unterzeichner_ innen unter anderem Der Paritätische Schleswig-Holstein, der Landesverband FrauenBeratung SH, der DGB Region K.E.R.N. und der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein zählen, heißt es hierzu: „Das Land Schleswig-Holstein lässt die Chance verstreichen, auf Basis des Bundesprogramms mit einem geringfügigen eigenen Mitteleinsatz eine professionelle, landesweite Betroffenenberatung zu etablieren.“