Pressespiegel des Jahres 2016

Campusguide 16/17 – September 2016

Unterstützung und Sensibilisierung

Das Beratungsangebot von zebra steht Betroffenen rechter Angriffe zur Seite

In Schleswig-Holstein haben die politisch rechtsmotivierten Angriffe seit letztem Sommer deutlich zugenommen. Während nur über wenige Beispiele in den Medien berichtet wird, bleiben die meisten Taten von der Öffentlichkeit unbemerkt. Die Betroffenen sind häufig mit ihren Erlebnissen allein. Das wollen wir von zebra – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe ändern.

Denn auch im Mikrokosmos Universität gibt es Rassismus und Antisemitismus, feindliche Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung oder jenen, die nicht der heterosexuellen Norm der Gesellschaft entsprechen. Die Täter_innen sind häufig keine bekennenden Neonazis. Vielmehr verhalten sie sich gegenüber Dozent_innen und Studierenden meist relativ unauffällig. Dabei spielt die fehlende Anonymität auf dem Campus eine zentrale Rolle.

Deswegen wollen wir die Stimme der Betroffenen von rassistischen, antisemitischen und anderen rechtsmotivierten Angriffen stärken. Hierfür sind wir im letzten Semester mit Bildungsveranstaltungen, wie Workshops, Vorträgen oder einer Ausstellungen auf dem Campus präsent gewesen. Das werden wir auch weiterhin tun. Auf diese Weise wollen wir die Studierenden in ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement gegen rechts stärken und sie für die Belange von Betroffenen rechter Angriffe sensibilisieren.

Für die Betroffenen gibt es in der Mensa I eine offene Sprechstunde. Dort finden auch Angehörige Betroffener und Zeug_innen von rechten Angriffen Rat. Sie bekommen von uns emotionale Unterstützung sowie Hilfe in juristischen, finanziellen und psychosozialen Fragen. Das Angebot ist kostenlos, freiwillig und kann anonym in Anspruch genommen werden. Eine Anzeige bei der Polizei ist dafür nicht notwendig.

 

Hajo 101 – Mai 2016

zebra im Interview:

Zurzeit häufen sich rechts motivierte Angriffe gegen Helfer*innen in der Arbeit mit Geflüchteten aber auch gegen Menschen aus der queeren Community. Seit 2014 gibt es eine unabhängige Beratungsstelle in Schleswig-Holstein, die im Unterschied zu anderen Anlaufstellen aufsuchend arbeitet. Unser Vorstandsmitglied Henry Möncke führte ein Interview mit Kai Stoltmann von zebra e.V.

Henry: Warum nennt ihr euch „zebra“? Bei den Farben schwarz und weiß des gleichnamigen Tieres hätte ich die Idee, dass es etwas mit eurer Arbeit zu tun hat.

Kai: Nein, mit dem Tier haben wir nichts zu tun. Auch mit dem in Kiel ansässigen Handballverein nicht. Es ist ganz einfach die Abkürzung für „Zentrum für Betroffene rechter Angriffe“.

Henry: Welches Verständnis von „Angriffen“ legt ihr eurer Arbeit zugrunde?

Kai: Unserer Arbeit liegt ein weiter Angriffsbegriff zugrunde. Dieser reicht von der Beleidigung über Sachbeschädigung bis hin zu tätlichen Angriffen.

Henry: Wie schätzt du den Bedarf nach einem Angebot wie eurem in Schleswig-Holstein ein?

Kai: Der Bedarf ist groß. Aufgrund des Dunkelfeldes können wir jedoch keine genauen Zahlen nennen. Die Erfahrungen aus unserer täglichen Arbeit deuten darauf hin, dass es täglich zu Bedrohungen, Sachbeschädigungen und tätlichen Angriffen kommt. Auch wenn wir als Verein in unserer Arbeit ausgelastet sind, nehme ich trotzdem an, dass nur ein Bruchteil der Vorfälle bei uns ankommt. Noch geringer ist wahrscheinlich die Quote in den Medien. Was dort berichtet wird, ist nur die Spitze des Eisberges. Das meiste liegt unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit.

Henry: Was wäre erforderlich, damit diese Dunkelziffern auch ins Hellfeld – also in eure Beratungsstrukturen hinein kommen?

Kai: Generell ist für unsere Arbeit eine gute Vernetzung im Land wichtig. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass die Betroffenen sich selten von sich aus melden. Der Kontakt wird eher über Multiplikator*innen und aus dem Bereich der Selbstorganisation hergestellt. Außerdem würde eine deutliche Aufstockung unserer Mittel helfen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es beispielsweise eine Stelle, die sich nur mit Monitoring und Vernetzung beschäftigt. Damit ist eine flächendeckende Erfassung rechter Angriffe möglich. Das können wir im Rahmen unserer Möglichkeiten nicht leisten.

Henry: Welche Menschen kommen zu euch in die Beratung? Wo liegen eure Schwerpunkte?

Kai: Wir beraten in ganz Schleswig-Holstein die Betroffenen, Angehörigen und Zeug*innen von rassistischen, antisemitischen und anderen rechts motivierten Angriffen. Grundsätzlich können wir immer anonym beraten und stehen parteilich auf der Seite der Betroffenen. Momentan haben wir dabei zwei große Schwerpunkte. Auf der einen Seite melden sich Menschen, die im Kontext Migration und Asyl angegriffen werden. Das müssen nicht unbedingt Menschen sein, die auch Migrant*innen sind. Häufig wird ihnen das von außen zugeschrieben. Auf der anderen Seite richten sich die Angriffe gegen politische Gegner*innen, sprich Unterstützer*innen von Geflüchteten oder Engagierte im Bereich Demokratie. Um es auf den Punkt zu bringen: Menschen, die ins rechte Weltbild nicht reinpassen.

Henry: Und das trifft vor allem auf LSBT*IQ zu.

Kai: Wenn ich das mal auf euren Arbeitsbereich übertrage, bin ich mir sehr sicher, dass es nicht unbedingt Menschen der community sein müssen. Es reicht allein die Zuschreibung der rechten Angreifer*innen von „du Schwuler“, „du Transe“ oder ähnliches aus.

Henry: Haben dich diese Eindrücke veranlasst, an die LGBT*IQ Community heran zu treten oder wie seid ihr auf uns aufmerksam geworden?

Kai: Menschen, die von der heterosexuellen Norm abweichen, haben keinen Platz in einer gefestigten rechten Ideologie. Das macht sie zu einer potenziellen Zielscheibe von rechten Angriffen und wir wissen aus anderen Bundesländern, dass diese Zahlen enorm hoch sind.

Henry: Insofern ist es äußerst erfreulich, dass wir uns endlich vernetzen und die LSBT*IQ community jetzt von eurem Angebot weiß. Lass mich dir zum Schluss noch eine Frage stellen: Wenn du dir etwas für euer Engagement wünschen könntest, was wäre das? Welche Unterstützung braucht ihr?

Kai: Ich glaube das ist zweierlei. Es ist zum einen eine längerfristige Finanzierung des Projekts notwendig. Unser Förderzeitraum gilt derzeit bis Ende April und der folgende voraussichtlich nur bis Ende des Jahres. Das erschwert langfristige Planungen und eine professionelle Arbeit ungemein. Zum anderen würde ich mir von der Gesellschaft eine klare Positionierung hinsichtlich Solidarität mit Betroffenen rechter Angriffe wünschen, weil sich gezeigt hat, dass dies bei der Verarbeitung der Angriffe hilfreich sein kann.

Henry: Zu so einer Solidarität kann unter Umständen unser SCHLAU Projekt beitragen, wenn wir ein Bewusstsein bei Schüler*innen dafür schaffen, dass rassistische und extreme Tendenzen zu verurteilen sind.

Kai: Ich bin sowieso ein großer Fan davon und hätte mir gewünscht, dass es ein ähnliches Projekt damals an meiner Schule gegeben hätte.

Henry: Das freut mich natürlich besonders. Ich danke dir für das Gespräch.

 

Hempels vom Januar 2016:

Das letzte Wort nicht dem Täter lassen

Verein Zebra hilft landesweit von rechter Gewalt Betroffenen, auch Obdachlosen

> Man will denen helfen, die sich häufig selbst nicht helfen können: Seit knapp einem Jahr bietet das in Kiel ansässige und landesweit arbeitende „Zentrum für Betroffene rechter Angriffe“ (Zebra) jenen Menschen Unterstützung, die Opfer rassistisch motivierter Gewalt geworden sind. „Wir haben viel zu tun“, so Sprecher Kai Stoltmann gegenüber HEMPELS, „die Nachfrage nach dieser Form der Hilfe ist deutlich da.“

Initiiert worden war die Zebra-Gründung an der Fachhochschule Kiel, seit Anfang Februar erhält der Verein Fördermittel aus dem Bundesprogramm des Familienministeriums „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“. Drei Sozialpädagogen beraten seitdem betroffene Menschen. Ausdrücklich können sich auch Obdachlose an den Verein wenden oder Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder körperlicher Handicaps Gewalt oder Bedrohungen ausgesetzt sind.

„Unsere Zielgruppe ist groß“, so Sprecher Stoltmann, „wir unterstützen auch in der Flüchtlingshilfe arbeitende Menschen, die wegen ihres Engagements bedroht werden.“ Betroffenen soll so geholfen werden, eigene Handlungsautonomie zurückzugewinnen und die Folgen von Angriffen bewältigen zu können. „Ein Täter darf nicht das letzte Wort haben“, so Stoltmann. Neben emotionaler Unterstützung biete man Suche von und Begleitung zu Anwälten, Therapeuten, Polizei oder Ämtern.

Besonderen Wert legt man bei Zebra darauf, klar parteilich an der Seite Betroffener zu stehen. Die Beratung ist immer kostenlos und anonym, eine vorherige Strafanzeige sei nicht erforderlich. Die Zebra-Mitarbeiter suchen die von Angriffen betroffenen Menschen landesweit dort auf, wo deren Lebensmittelpunkt ist. Kontakt über info@zebraev.de oder telefonisch (04 31) 30 14 03 79.