Pressespiegel 2017

Neumünster TV (November 2017)

Interviews für YouTube

Neumünster TV hat mit unserem Mitarbeiter Joshua Vogel über unser Beratungsangebot gesprochen. Das Video wurde in Bulgarisch, Englisch und Rumänisch übersetzt:Link zum Beitrag bei Neumünster TV


Focus Online (16.10.2017)

Stammtisch für ehrenamtliche Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe am Mittwoch, 08.November 2017

Frau Regina Runde, Koordinatorin für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe der Stadt Geesthacht, lädt zum Stammtisch der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe ein.

Ziel und Zweck ist es, sich In lockerer, ungezwungener Atmosphäre untereinander besser kennen zu lernen. Der Stammtisch soll einen vertieften Austausch der einzelnen ehrenamtlichen Arbeitsbereiche fördern und zugleich helfen, neue Impulse und Anregungen für die Flüchtlingshilfe zu finden.

Zu Gast ist diesmal Frau Vajen vom Zentrum für Betroffene rechter Angriffe e.V. ZEBRA ist eine Beratungsstelle vor allem für Betroffene rechter Angriffe und potentielle Betroffenengruppen. Frau Vajens informiert zum Umgang mit rechten Angriffen.

Interessierte, die sich vorstellen könnten in der Flüchtlingshilfe tätig zu werden, sind herzlichst eingeladen, am Mittwoch, den 08.November 2017, um 19.00 Uhr in der Begegnungsstätte „Geest Treff“, Geesthachter Str. 5, am Stammtisch vorbei- zuschauen, um sich zu informieren und engagierte Menschen kennenzulernen.

(http://www.focus.de/regional/schleswig-holstein/geesthacht-stammtisch-fuer-ehrenamtliche-mitarbeiter-in-der-fluechtlingshilfe-am-mittwoch-08-november-2017_id_7718868.html)


Artikel in der Zeitschrift K.I.E.L. (Juli 2016)

ZEBRA – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe e.V.

Laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz ist die Zahl rechtsextremistisch motivierter Angriffe von 990 im Jahr 2014 auf 1408 im Jahr 2015 gestiegen. Mit ZEBRA – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe e.V., gibt es in Schleswig-Holstein nun eine Anlaufstelle, an die sich Opfer solcher Taten wenden können und wo sie Unterstützung erhalten.

Vor etwas mehr als zwei Jahren gegründet, ist ZEBRA die einzige Organisation ihrer Art in Schleswig-Holstein. Rechtsmotivierte Angriffe sind dabei jedoch nicht nur die aus den Medien bekannten Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. „Rechte Angriffe können rassistisch oder antisemitisch motiviert sein, sie können sich aber auch gegen homo- oder transsexuelle Menschen richten“, teilte uns Kai Stoltmann, Mitbegründer und Berater der Organisation in einem persönlichen Gespräch mit. „Dabei reichen die Angriffe von Bedrohung, Nötigung oder gezielter Sachbeschädigung bis hin zu Körperverletzung sowie versuchten oder durchgeführten Tötungsdelikten.“

Die Formen der Hilfen sind ebenso vielfältig wie die Arten der Angriffe. „Wir bieten psychosoziale Unterstützung an, wir gehen mit zu Anwälten oder zur Polizei, geben juristische Informationen, machen fallbezogene Öffentlichkeitsarbeit. All das ist die tägliche Arbeit von ZEBRA.“ Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist aber nicht verpflichtend, wie uns Stoltmann mitteilt. „Man muss keine Anzeige erstattet haben, um sich bei uns beraten zu lassen. Das ist auch ganz wichtig, weil viele Betroffenen ein gewisses Misstrauen gegenüber der Polizei haben. Letztlich versuchen wir dann in den Beratungsgesprächen mit den Betroffenen zu erarbeiten, ob eine Anzeige sinnvoll ist oder nicht.“

Das Büro der Organisation befindet sich in Kiel. Von dort aus machen sich die sechs Mitarbeiter_innen nach ganz Schleswig-Holstein auf, um ihre Unterstützung anzubieten. „Wir fahren raus und treffen die Leute dort, wo sie es sich wünschen und wo sie sich am wohlsten fühlen für eine solche Beratung. Das kann auch die Parkbank oder das Café um die Ecke sein, wenn zum Beispiel das Zuhause nicht bekannt werden soll oder wenn die Leute sagen‚ da fühle ich mich sicher‘. Wir kommen bei Bedarf oder Wunsch auch zu den Leuten nach Hause und haben mittlerweile in den einigen Städten Beratungsräume, die wir nutzen können.“

Erreichen kann man ZEBRA telefonisch oder über das Internet. Das Team spricht Deutsch und Englisch. ZEBRA organisiert entsprechende Dolmetscher_innen, mit denen auch Beratungen in anderen Sprachen stattfinden kann. Kosten entstehen dem/der Betroffenen dadurch nicht. Das komplette Angebot von ZEBRA ist kostenfrei und auf Wunsch auch anonym.

http://www.zebraev.de/wp-content/uploads/2017/07/ZEBRA-Artikel.pdf


Zeitschrift für Erziehung und Wissenschaft in Schleswig-Holstein (Juli-August 2017)

Rechte Angriffe an Schulen in Schleswig-Holstein

Seit dem Sommer des Jahres 2015 ist es deutschlandweit zu einer deutlichen Steigerung rechter und rassistischer Angriffe gekommen. Mitarbeiter_innen vom Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt berichten von einer Verrohung der gesellschaftlichen Stimmung. Dies zeigt sich an der zunehmenden Brutalität und an ansteigenden Angriffen auf Kinder. So sind unter den 3050 Betroffenen, die allein in Ostdeutschland, NRW und Berlin im letzten Jahr angegriffen wurden, fast 10 % noch Kinder.

Im Auftrag des Schleswig-Holstein unterstützt die Beratungsstelle zebra – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe die Opfer im nördlichsten Bundesland. Im Rahmen von psychosozialer Beratung wird dort professionelle Hilfe in Krisensituationen angeboten, beispielsweise durch die gemeinsame Arbeit an der Wiederherstellung des Sicherheitsgefühls. Außerdem leisten die Mitarbeiter_innen bei juristischen und finanziellen Fragen Unterstützung, indem sie über rechtliche Möglichkeiten informieren und die Betroffenen zu Behörden oder Polizei. Auch Gerichtsbegleitungen gehören zum Reportoire, wo es meist zur erneuten Auseinandersetzung mit den Täter_innen kommt.

Deren Handlungen richten sich nicht nur gegen Geflüchtete oder Migrant_innen, sondern auch gegen die Zivilgesellschaft – etwa gegen Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe oder Menschen, die sich in ihrer Funktion als Kommunalpolitiker_innen für die Rechte von Minderheiten engagieren. Dabei versucht zebra explizit den Fokus auf die Perspektive der Betroffenen zu legen. Lisa Luckschus, Beraterin bei zebra – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe meint hierzu: „Die Betroffenenperspektive ist zentraler Bestandteil unserer Arbeit, weil rechte Täter_innen ohnehin einen Großteil der öffentlichen Aufmerksamkeit bekommen.“

So hat die Universität Kiel letzten Jahres eine Studie zum Thema Rechtsextremismus an Schulen herausgegeben. In dieser wurde untersucht, wie verbreitet Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit unter Schüler_innen in Schleswig-Holstein ist. Demnach haben 8 % der Befragten ein rechtsextremes Weltbild, das sich aus Merkmalen wie Rassismus, Sozialdarwinismus, Demokratieablehnung, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Sexismus zusammensetzt. Derlei Einstellungen stehen in engem Zusammenhang mit rechten Angriffen. Laut eigenen Angaben der Schüler_innen haben bereits 1,4 %  einen anderen Menschen getreten oder geschlagen, weil dessen Nationalität, Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung, Behinderung oder politischen Einstellung nicht dem eigenen Weltbild entsprach. An Berufsschulen sind die Werte höher. So haben 6,5 % der Berufsschüler_innen aus Schleswig-Holstein bereits andere Menschen aus einer rechten Motivation heraus bedroht.

Wo es rechte Täter gibt, gibt es auch Betroffene. Diese werden jedoch vom Umfeld der Schüler_innen nicht immer als solche erkannt. So sagt Lisa Luckschus: „Rassistische Motive werden hier mit Verweis auf das Alter der Angreifer häufig nicht gesehen.“ Umso wichtiger ist es, im Kontext Schule genau hinzuschauen und Betroffene auf mögliche Unterstützungsangebote hinzuweisen.


Kieler Nachrichten vom 19.6.2017:

Immer mehr Jugendliche suchen Hilfe

Mal sind es zerstochene Fahrradreifen, mal ist es eine handfeste Drohung: Jugendliche, die sich in Schleswig-Holstein für Flüchtlinge und Menschenrechte engagieren, werden immer wieder zur Zielscheibe rechtsextremer Angriffe.

Kiel. Die Angreifer sind dabei meist selbst noch Heranwachsende. Nach Angaben der unabhängigen Beratungsstelle Zebra (Zentrum für Betroffene rechter Angriffe) in Kiel ist inzwischen fast jeder dritte Hilfesuchende ein Schüler, Azubi oder Berufsanfänger.

„Wir wissen nicht, ob dieses Phänomen zugenommen hat oder sich unsere Beratung erst jetzt unter Jugendlichen herumspricht. Aber dieses Problem unter Schülern und Auszubildenden ist vorhanden, vor allem in den Städten, aber auch auf dem Lande“, sagt Kai Stoltmann von Zebra. Bei den Angriffen gehe es nicht nur um Beleidigungen und verbale Drohungen wie „Ich will dich hier nicht mehr sehen. Ich würde lieber nicht wiederkommen“. Es gibt auch Sachbeschädigungen, versuchte und vollendete Körperverletzungen. Gerade für die Jugendlichen sei diese Situation besonders schwierig. In diesem Alter habe man weniger Ressourcen, solch einen Angriff zu verarbeiten, sagt Stoltmann.

Im Hintergrund stehe die Erwartungshaltung der Eltern, der Leistungsdruck, den Schulabschluss zu schaffen. Komme der Angreifer aus derselben Klasse, Schule oder Lehrbetrieb, könne man sich Begegnungen nicht entziehen. „Da wiegt es besonders schwer, dass die Erlebnisse vom sozialen Umfeld häufig nicht anerkannt werden. Weil die Angreifer gleichaltrig sind und sich beide von Schule oder Ausbildung kennen, wird das Ganze schnell als Streit unter Jugendlichen abgetan. Die rechten Tatmotive werden nicht gesehen“, bedauert der Berater.

(http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Schleswig-Holstein/Nachrichten-Schleswig-Holstein/Rechtsextreme-Angriffe-immer-mehr-Jugendliche-suchen-Hilfe)


RTL Nord vom 15.6.2017

RTLnord vom 15.0.2017


 Jährlicher Verfassungsschutzbericht in Kiel vorgestellt

Auch in Hamburg und Schleswig Holstein werden potentielle Terroristen festgenommen. Trotzdem lassen sich die meisten Norddeutschen von der potentiellen Gefahr nicht einschüchtern. Sie gehen weiter auf Konzerte, Veranstaltungen und fliegen in den Urlaub.

Allerdings ist es gut zu wissen, dass der schleswig-holsteinische Verfassungsschutz ein genaues Auge auf den IS, aber auch auf rechtsextremistische Tendenzen und die Bewegung der sogenannten Reichsbürger hat.

Was die Experten bisher alles herausgefunden haben, hat Innenminister Stefan Studt (SPD) am Donnerstag vorgestellt. Unsere Reporter Isabell Kutz und Rune Weichert berichten.


NDR am 9.6.2017:

Hetze gegen Flüchtlinge: Workshops sollen helfen

Die Hilfsbereitschaft der Menschen war groß, als im Sommer 2015 Tausende Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein kamen. Noch immer gibt es viele Menschen, die den Asylsuchenden mit Rat und Tat beiseitestehen. Doch sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Helfer ist es nicht ungefährlich. Im vergangenen Jahr registrierten die Behörden nach Angaben des Flüchtlingsrates in Schleswig-Holstein 150 Angriffe auf Asylsuchende, Unterkünfte und ehrenamtliche Helfer, mindestens 36 Asylsuchende wurden verletzt. Der Flüchtlingsrat und weitere Hilfsorganisationen bieten deshalb von diesem Freitag an in Bad Segeberg Workshops mit Tipps zum besseren Schutz für Flüchtlinge und Ehrenamtliche an.

Immer wieder Körperverletzungen und Sachbeschädigungen

Das Zentrum für Betroffene rechter Angriffe – kurz „Zebra“ – beobachtet seit zwei Jahren zwei alarmierende Entwicklungen: Zum einen gibt es demnach immer mehr Angriffe gegen echte oder vermeintliche Flüchtlinge. Zum anderen nehmen nach den Beobachtungen von „Zebra“ Übergriffe auf ehrenamtliche Helfer und Politiker zu. In den meisten Fällen – rund 30 Prozent – geht es nach den Schätzungen des Vereins um Körperverletzung (rund 30 Prozent). Doch auch Sachbeschädigung gibt es oft: Beschmierte Fenster, aufgestochene Fahrradreifen oder demolierte Briefkästen: Das sei nur ein kleiner Auszug an Übergriffen, die viele Flüchtlinge und Helfer in den letzten Jahren erlebt haben, sagt Kai Stoltmann von „Zebra“. Laut Polizei werden viele Situationen gar nicht angezeigt.

Rechtliche Tipps bei den Workshops

Bei den Workshops sollen Helfer wertvolle Tipps bekommen, wie sie in Konfliktsituationen mit Rechten reagieren und Gewalt vorbeugen können. Vor allem geht es um rechtliche Tipps. Ebenfalls klargestellt werden soll, wann Notwehr in brenzligen Situationen angebracht ist.

(http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Hetze-gegen-Fluechtlinge-Workshops-sollen-helfen,fluechtlinge6658.html)


 Der Schlepper. Magazin für Migration und Flüchtlingssolidarität in Schleswig-Holstein (Nr. 83 – Frühjahr 2017):

Anzahl rechter Angriffe bleibt auf hohem Niveau
von Kai Stoltmann (zebra – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe)

Deutschlandweit ist es seit Mitte letzten Jahres zu einem Anstieg flüchtlingsbezogener Angriffe gekommen. Diese Beobachtung kann von zebra – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe auch für Schleswig-Holstein bestätigt werden. Die Beratungsstelle zebra geht in diesem Kontext von einem Zusammenhang zwischen rechten Angriffen und der politischen Stimmung aus.

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Aktuelle Entwicklung rechter und rassistischer Angriffe
Das Ausmaß rechter und rassistischer Gewalt war im Jahr 2016 dramatisch hoch. Nachdem bereits für das Jahr 2015 eine Verdoppelung rechtsmotivierter und insbesondere rassistischer Gewalttaten festgestellt werden musste, berichten Beratungsstellen für Betroffene von rechten und rassistischen Angriffen deutschlandweit von einer gestiegenen Nachfrage nach professioneller Unterstützung und Beratung zur Bewältigung der materiellen und immateriellen Tatfolgen.

Ähnlich gestaltet sich die Situation in Schleswig-Holstein. Laut unserer Einschätzung kommt es seit dem Sommer der Migration im Jahr 2015 vermehrt zu rechten und rassistischen Angriffen. Hierbei handelt es sich insbesondere um flüchtlingsbezogene Angriffe. Diese richten sich nicht nur gegen Geflüchtete selbst, sondern auch allgemein gegen Menschen mit Migrationshintergrund sowie gegen Unterstützer*innen, die sich politisch oder zivilgesellschaftlich für die Belange von Geflüchteten einsetzen. Hierbei kann es sich beispielsweise um Lokalpolitiker*innen, Mitglieder in Willkommensinitiativen oder Deutschlehrer*innen handeln.

Über einige dieser Angriffe wurde im vergangenen Jahr in den Medien berichtet: So wurde im Februar Säure in die Duschräume einer Unterkunft für Geflüchtete in Flensburg gekippt. Zwei Bewohner klagten in der Folge über brennende Augen und Hustenreiz. Nur einen Monat später wurde die Wohnung einer syrischen Familie in Schleswig angezündet, in dem die Fensterscheibe im Erdgeschoss mit einer brennbaren Flüssigkeit angezündet wurde. Im September wurde der Bürgermeister von Oersdorf, der sich für die Unterbringung von Geflüchteten in seinem Ort eingesetzt hatte, mit einem Kantholz niedergeschlagen. Im Oktober erhalten die Mitarbeiter*innen der Tafel in Albersdorf einen Drohbrief, weil sich Bedürftige dort unabhängig von Nationalität und Herkunft mit Lebensmitteln eindecken können. Diese Liste ließe sich problemlos fortsetzen.

Diese Beispiele zeigen: rechte Angriffe passieren in ganz Schleswig-Holstein, die Täter*innen gehen dabei äußerst brutal vor. Doch nicht nur die Anzahl der Angriffe und die Brutalität der Täter*innen hat zugenommen. Im Beratungsalltag haben wir es auch immer häufiger mit Fällen zu tun, die ein hohes Maß an Komplexität aufweisen – etwa weil sich ein Angriff gleich gegen mehrere Personen gerichtet hat.

Zusammenhang: Rechte Angriffe und politische Stimmung
In diesem Kontext gehen wir von einem Zusammenhang zwischen der beschriebenen Entwicklung rechter Angriffe in Schleswig-Holstein und der politischen Stimmung im Land aus. So nehmen wir in den Beratungsgesprächen eine Verrohung der politischen Kultur durch rechte und rechtspopulistische Positionen war, die rassistische, antisemitische und rechte Angriffe mindestens begünstigt. So berichten Betroffene in Gesprächen mit uns immer wieder von zahlreichen rechten Vorfällen unterhalb der Angriffsschwelle. Die Zunahme von derlei Formen von Beleidigungen oder Diskriminierungen, fast immer im Kontext Flucht und Migration, findet unabhängig von den eigentlichen Angriffen statt. Sie wird von den Betroffenen häufig als ein Indikator für einen Wandel der politischen Kultur gewertet. Diese Einschätzung teilen auch zivilgesellschaftliche Akteur*innen, mit denen wir bei Vernetzungsgesprächen oder im Rahmen von lokalen Interventionen Kontakt haben.

Eine solche Verrohung der politischen Kultur wird gezielt forciert von politischen Akteur*innen des rechten und rechtspopulistischen Spektrums, die das Ziel verfolgen, dass reaktionäre, autoritäre und rassistische Positionen sprechbar sind. Mit ihrem Vorgehen gegen Geflüchtete stoßen sie bis in die Mitte der Gesellschaft auf ein hohes Maß an Akzeptanz.

Umso wichtiger ist es für uns als Beratungsstelle, nicht nur den direkt Betroffenen eines rechten Angriffes zu helfen, sondern auch auf der Meso- und Makroebene dieser Gesellschaft aktiv zu werden. Indem wir das Umfeld der direkt Betroffenen, etwa Familien, Freunde oder (z.B. migrantische) Communities ansprechen, versuchen wir die Auswirkungen rechter Angriffe zu begrenzen, die sich als Botschaftstaten meist auch gegen die soziale Umgebung der Opfer richten. Dementsprechend werden wir auch bei Vorfällen, in denen es keine direkt Betroffenen eines rechten Angriffs gibt – etwa bei Brandanschlägen gegen unbewohnte Unterkünfte für Geflüchtete – aktiv und sensibilisieren die örtliche Zivilgesellschaft für das Thema rechte Angriffe. Darüber hinaus bietet klassische Medienarbeit die Möglichkeit, die Anliegen von Betroffenen rassistischer, antisemitischer und rechter Angriffe in die Gesellschaft zu transportieren.

Solidarität mit Betroffenen
All diese Vorgehen dienen letztlich den gleichen Zielen: die Betroffenen nicht in der Situation allein lassen, ihre Position bestmöglich zu stärken und somit die Wirkungen der Angriffe möglichst gering zu halten. Ein anderer Weg, um dies zu erreichen, zeigt sich aktuell in Brandenburg, wo der Verein Opferperspektive in Zusammenarbeit mit dem dortigen Innenministerium einen Erlass bewirkt hat, der den Betroffenen von rechter und rassistischer Gewalt, die von Abschiebung bedroht sind, ein Aufenthaltsrecht gewährt. Wie Judith Porath von der Opferperspektive, die ebenfalls im Dachverband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt organisiert ist, betont: „Mit einem Bleiberecht für Opfer rechter Gewalt übernimmt der Staat Verantwortung gegenüber jenen Menschen, die in Brandenburg von Rassisten angegriffen werden. Das ist ein wichtiges Signal der Solidarität in Zeiten, in denen die Zahlen derartiger Angriffe immer weiter steigen.“

Gemeinhin ist die Solidarität mit den Betroffenen von rechten Angriffen auch stets ein wichtiges Zeichen, um rechten und rechtspopulistischen Akteuren zu verdeutlichen, dass sie mit ihrem Handeln nicht für die Mehrheit dieser Gesellschaft sprechen. Diese gesamtgesellschaftliche Perspektive wird von vielen Betroffenen rechter Angriffe wahrgenommen, denen die politische Aussage eines Angriffs häufig am besten bewusst ist. In diesem Sinne muss „Refugees Welcome“ auch stets heißen, dass rechte und rechtspopulistische Positionen in dieser Gesellschaft nichts zu suchen haben, um das Ausmaß rechter Angriffe wieder möglichst weit zu begrenzen.

(https://www.frsh.de/fileadmin/schlepper/schl_83/s83_20_21.pdf)


Kieler Nachrichten 16.01.2017

Straffer Kurs gegen Volksverhetzung im Netz

Die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein hat Strafanzeige gegen den Anbieter der Seite „Neumünster & Segeberg wehren sich“ gestellt. Vorwurf: Die Internetseite sei in der Gesamtausrichtung „volksverhetzend“ angelegt. Gleichzeitig beklagen Beratungsstellen zunehmende Brutalität rechtsextremer Angriffe.

Kiel. Ortsschilder, die mit NS-Symbolen und der Aufschrift „Volkseigentum“ beschmiert werden. Drohmails, zerstochene Autoreifen, Verfolgungen im Dunkeln – für Thomas Fuchs, den Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) sind Vorboten für diese Verrohung auch im Internet zu suchen. „Facebook löscht inzwischen zwar volksverhetzende Kommentare auf Antrag schneller. Aber das hilft nur vorübergehend, weil auf den einschlägigen Seiten immer wieder neue Hetze entsteht.“ Diese würden die Grenzen dessen verschieben, was man öffentlich äußern darf – und seien strafrechtlich relevant. „Auch gegen die Anbieter solcher Seiten muss Strafanzeige gestellt werden“, erklärt Fuchs.

Erstmals geht man deshalb medienrechtlich gegen den Anbieter der Seite „Neumünster & Segeberg wehren sich“ vor. Mit der tendenziösen Auswahl seiner Beiträge mache dieser erkennbar Stimmung gegen Flüchtlinge und Muslime. „Der Profilbetreiber provoziert hasserfüllte und volksverhetzende Aussagen in den Kommentaren und lässt diese in seinem Angebot stehen. Auf diese Weise versucht er, eine repressive Sichtweise auf die Bevölkerungsgruppe zu formen“, sagt Fuchs. Weil der Anbieter seinen Wohnsitz in Niedersachsen hat, ist die Staatsanwaltschaft Stade zuständig. „Die Ermittlungen dauern an, die Akten sind bei der Polizei“, erklärt der dortige Sprecher, Burkhard Vonnahme.

Gewalttaten steigen offenbar

Der Verfassungsschutz ging 2016 von 1300 Personen mit rechtsextremistischer Gesinnung im Land aus. Endgültige Zahlen will Innenminister Stefan Studt im Frühjahr bekanntgeben. Fest steht aber: 2015 wurden 640 politisch motivierte Straftaten von rechts, davon 38 Gewalttaten, registriert. In den ersten sieben Monaten 2016 waren es 383 Straftaten, aber bereits 32 Gewalttaten.

Die Beratungsstellen bestätigen den Anstieg. „Die Brutalität hat zugenommen: Gab es früher Bedrohungen, Nötigungen und allenfalls einfache Körper- verletzungen, geht es jetzt häufiger um Angriffe mit gefährlichen Werkzeugen“, sagt Kai Stoltmann vom Zentrum für Betroffene rechter Angriffe (Zebra).

Der Angriff auf den Bürgermeister von Oersdorf im September steche sicher heraus. „Aber insgesamt erleben Kommunal- und Kreispolitiker immer häufiger Bedrohungen und auch Angriffe auf ihr Eigentum.“ Er fürchtet eine Verschärfung. „Wenn sich politisch Aktive nur noch mit Pfefferspray an den Wahlstand trauen, lässt das nichts Gutes für den Wahlkampf erwarten.“

(http://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Rechtsextreme-Internetseite-Straffer-Kurs-gegen-Volksverhetzung-im-Netz)