Mit großer Bestürzung haben wir am 08.05.2026 von einem Gewaltaufruf erfahren, der sich u.a. gegen unseren Kollegen in seiner Rolle als Sprecher von zebra e.V. und Teil der Leitung unserer Projekte (u.a. LIDA-SH) richtet. Namen und Gesichter von ihm sowie einer Reihe von Menschen, die sich aktiv gegen Antisemitismus und Israelfeindschaft stellen, wurden gemeinsam mit einer vermeintlichen Wohnadresse auf vielen Plakaten in der Stadt Kiel veröffentlicht. Sie alle werden als „zionistische Faschist*innen“ und „Täter*innen“ bezeichnet und es wird zu Gewalt gegen sie aufgerufen. Allen Angegriffenen gilt unsere Solidarität.
Diese Vorfälle reihen sich in eine Dynamik ein, die wir bundesweit seit dem 7. Oktober 2023 beobachten müssen. Zunehmend spielt in dokumentierten antisemitischen Vorfällen das Feindbild „Zionismus“ eine tragende Rolle. Der Begriff fungiert als Chiffre, der sich sowohl gegen Menschen mit (zugeschriebenem) jüdischen Hintergrund richtet als auch allgemein gegen Personen, die sich gegen Antisemitismus engagieren. Mit der Verwendung des Begriffs wird häufig eine homogene Gruppe imaginiert, die abgewertet oder als Feind markiert wird.
Unser Kollege wird als Mitglied von zebra e.V. und Leiter von LIDA-SH angegriffen, nachdem er in einem Medien-Beitrag, in dem zuvor vor allem Betroffene zu Wort kommen, das aktuelle antisemitische Vorfallsaufkommen datenbasiert einordnet. Das Foto des Kollegen ist aus diesem Beitrag entnommen. Die Zusammensetzung der Menschen auf dem Plakat ist aus unserer Perspektive willkürlich und dient allein ihrer Einschüchterung.
Wir müssen feststellen, dass die gesellschaftlich zu beobachtende Verrohung der Sprache und der Mittel der politischen Auseinandersetzung auch innerhalb jener Gruppen um sich greift, denen als potenziell Betroffene rechter Angriffe unsere Angebote grundsätzlich offenstehen. Das macht uns in einer Zeit betroffen und wütend, in der wir aus unserer Arbeit wissen, dass die Bedrohung durch rechte, rassistische und antisemitische Angriffe größer wird, und in der Solidarität mit und unter Betroffenen und Betroffenengruppen dringend notwendig ist.
Es ist unsere Aufgabe, für all jene ansprechbar zu sein, die von Faschist*innen und anderen Rechten angegriffen werden, für alle, die von Rassismus und Antisemitismus, von Sozialdarwinismus, von Homo- und Transfeindlichkeit betroffen sind. Wir begleiten und unterstützen sie im teils langwierigen Prozess der Biographisierung des Erlebten und in der Artikulation ihrer Perspektiven als Betroffene, in juristischen Auseinandersetzungen und im Kampf um Entschädigung. Betroffene können sich unserer professionellen Solidarität und fachlich fundierten Unterstützung jederzeit sicher sein.
Diese Solidarität und Unterstützung sind nicht an spezifische politische Haltungen gebunden, sondern an die je individuelle Betroffenheit. Damit verbunden ist eine professionelle Distanz zu den Wertevorstellungen und politischen Meinungen unserer Klient*innen. Sie bedeutet aber niemals eine Distanzierung von Ihnen als Betroffene.
Diese Distanz darf nicht als Beliebigkeit missverstanden werden: Wer unsere Kolleg*innen angreift, kann von uns keine solidarische Unterstützung erwarten. Für alle anderen gilt: Wir beraten und unterstützen euch unabhängig und vertraulich, wenn ihr von rechten, rassistischen und antisemitischen Angriffen betroffen seid. Zögert nicht, euch an uns zu wenden!
Kiel 19.05.2026, im Namen des Vorstands von zebra e.V.
Prof. Dr. Melanie Groß
Kontakt:
0431 301 403 79