Monitoring 2025

Rechte Gewalt in Schleswig-Holstein weiterhin auf hohem Niveau

Beratungsstelle ZEBRA stellt Ergebnisse
des landesweiten Monitorings für 2025 vor

Zusammenfassung

→ 156 rechte Gewalttaten mit 238 Betroffenen für 2025 in Schleswig-Holstein dokumentiert, über 20% davon sind Kinder

→ Dokumentation von 3 Angriffen pro Woche im Durchschnitt 

→ Rassismus weiterhin häufigstes Tatmotiv

→ Politische Gegner*innen wurden auffallend häufig während der Bundestagswahlkampfs Anfang 2025 Ziel von Angriffen

Tatmotive 2025

Durchschnittlich dreimal pro Woche wurden in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr Menschen aus rassistischen, antisemitischen oder anderen rechten Motiven angegriffen. 

Die Beratungsstelle ZEBRA – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe registrierte 2025 im Rahmen ihres unabhängigen Monitorings insgesamt 156 Gewalttaten, von denen insgesamt  238 Menschen betroffen waren. Damit wurden acht Taten weniger als im Vorjahr ins Monitoring aufgenommen. Die Anzahl der registrierten rechten, rassistischen und antisemitischen Angriffe bewegt sich somit auf einem weiterhin erschreckend hohen Niveau und deutlich über den Zahlen aus den Jahren zuvor (2024: 164; 2023: 135; 2022: 104). Wie auch in den Vorjahren sind unter den Betroffenen über 20% Kinder und Jugendliche (2025: 53; 2024: 57).

„Die Stagnation der Zahlen ist kein Anlass zur Beruhigung. Nach wie vor werden viel zu viele Menschen in Schleswig-Holstein Opfer rechter Gewalt. (…) Die Zivilgesellschaft und das Land sind gefordert, rechten Einschüchterungsstrategien konsequent entgegen zu treten.“

Niclas Dürbrook (MdL, SPD)

Rechte, rassistische und antisemitische Gewalttaten sind dabei nach wie vor ein Problem in der gesamten Fläche des Landes. Auch 2025 gab es keinen Landkreis, in dem nicht mindestens vier Vorfälle registriert wurden. Die meisten Angriffe stellte ZEBRA in den Städten Kiel und Lübeck fest, gefolgt vom Landkreis Pinneberg. Auffällige Anstiege wurden in den Kreisen Herzogtum-Lauenburg (2025: 10; 2024: 4) und Plön (2025: 11; 2024: 5) registriert, wo sich die Zahl der Vorfälle jeweils verdoppelte. Die meisten dokumentierten Angriffe waren 2025 erneut rassistisch motiviert. Damit setzte sich eine Entwicklung aus den Vorjahren fort: Seit einem deutlichen Anstieg der rassistisch motivierten Taten 2023, bewegt sich der Anteil dieser Taten bei rund 70% der von ZEBRA registrierten Vorfälle. Angriffe gegen politische Gegner*innen wurden in 17% der Fälle ins Monitoring aufgenommen, gefolgt von queerfeindlichen Gewalttaten. Innerhalb der Angriffe gegen politische Gegner*innen zeigte sich ein auffälliger Anstieg an Taten gegen politische Verantwortungsträger*innen.

So wurden beispielsweise im Wahlkampf kurz vor der Bundestagswahl zwei Menschen an einem Infostand körperlich angegriffen. Während der Tat bezogen sich die Angreifer positiv auf die AfD. Auch in mehreren Drohschreiben, die sich unter anderem an Landespolitiker*innen richteten, wurde das Logo der Partei verwendet.

„Die Serie von Sachbeschädigungen und versuchten Brandstiftungen an einem linken Laden und zahlreichen Parteibüros in Flensburg und Kiel am Osterwochenende 2026 zeigen, dass die 2025 festgestellte Gewalt gegen politische Verantwortungsträger*innen kein einmaliges Phänomen war. Die demokratische Parteienlandschaft soll durch solche kontinuierlichen Angriffe eingeschüchtert werden. Die versuchten Brandstiftungen an Wohnhäusern zeugen von einer Eskalation der Gewalt.“, erklärt Felix Fischer, Berater bei ZEBRA.

TATBESTÄNDE 2025

„Besonders alarmierend ist die Betroffenheit junger Menschen.  Demokratie lebt vom Streit der Meinungen, vom Aushalten von Unterschiedlichkeit. Es ist nicht nur widerwärtig bzw. strafbar, sondern auch demokratiefeindlich, Gewalt zu praktizieren oder zu ihr aufzurufen, Menschen einzuschüchtern oder sie mundtot zu machen.“

Marion Schiefer (MdL, CDU)

ENTWICKLUNG BEDROHUNG UND KÖRPERVERLETZUNG 2020–2025

Erstmals seit der Erfassung rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalttaten durch ZEBRA waren die meisten registrierten Taten Bedrohungen und Nötigungen (51%). Hier setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits in den letzten Jahren beobachtet werden konnte: Immer mehr Betroffene von Bedrohungen und Nötigungen scheinen sich nach einer solchen Tat an Polizei oder Beratungsstellen zu wenden. So stieg die Zahl der Bedrohungen und Nötigungen auch in der polizeilichen Kriminalstatistik in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Gleichzeitig berät ZEBRA viele Betroffene, die nach einer Bedrohung oder Nötigung Unterstützung suchen.

Felix Fischer ergänzt: „Wir sehen, dass die extreme Rechte seit Jahren auch in Schleswig-Holstein immer stärker wird – das gesellschaftliche Klima verschlechtert sich. Dass Betroffene berechtigterweise nach rechten Bedrohungen Sorge haben, dass die angedrohten Taten tatsächlich umgesetzt werden, führt häufig zu einem stärkeren Handlungsdruck. Es verwundert uns nicht, dass wir hier immer häufiger massive Folgen auch bei diesen Delikten für Betroffene wahrnehmen.“

Die hohe Anzahl von Bedrohungen darf dabei nicht als Zeichen einer Entspannung der Situation fehlinterpretiert werden. Immer noch machen körperliche Angriffe den zweitgrößten Anteil der registrierten Vorfälle aus. Zudem zeigen sich in der Beratungspraxis von ZEBRA häufig die massiven Folgen für die Betroffenen nach einer Bedrohung: Ein Betroffener wurde an seinem Arbeitsplatz über einen längeren Zeitraum rassistisch beleidigt und bedroht. Da sein Aufenthaltsstatus an seine Berufstätigkeit geknüpft ist, war es für den Betroffenen keine Option, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, weshalb er sich weiter den Bedrohungen aussetzen musste. Die daraus resultierende starke Belastung verändert den Betroffenen und hat Auswirkungen auf den gesamten familiären Kontext.

„Drei rechte Gewalttaten pro Woche in Schleswig-Holstein sind ein Alarmsignal. Wer Menschen bedroht, angreift oder einschüchtert, greift immer auch unser demokratisches Zusammenleben an. Wir haben es mit einer Bedrohungslage im ganzen Land zu tun, es erschüttert mich, dass es für Leute zum Alltag gehört, dass sie rechte Bedrohung und Gewalt  erleben.“

Sybilla Nitsch (MdL, SSW)

Im Landkreis Stormarn ging die Zahl der Vorfälle leicht zurück (2025: 13; 2024:18). Weiterhin richteten sich hier, entgegen der landesweiten Entwicklung, mehr als die Hälfte aller Angriffe gegen politische Gegner*innen.

LANDKREISE 2025

Entwicklung der Anzahl der Angriffe im Kreis Stormarn 2020–2025

Erneut stand dabei die Kleinstadt Bargteheide im Fokus, wo ein Großteil dieser Taten gegen politische Gegner*innen verübt wurden. Besonders im medialen Fokus stand dabei die Brandstiftung am Autonomen Jugendhaus im Sommer 2025. Dieser und weitere Angriffe auf Wohnprojekte, Freizeit- und Jugendeinrichtungen, Parteibüros und Treffpunkte zivilgesellschaftlicher Akteur*innen, sind Teil einer rechten Raumnahmestrategie.

„Extrem rechte Akteure versuchen, durch Angriffe auf Rückzugsorte sowie  Einschüchterungsversuche durch Bedrohungen eine rechte Hegemonie durchzusetzen. Ziel ist es, Nicht-Rechte Jugendliche soweit einzuschüchtern, dass sie sich im Alltag nicht mehr sicher fühlen können, ihr politisches Engagement einstellen und so der Widerstand gegen die extreme Rechte geschwächt wird. Die AfD und ihre Jugendorganisation spielen dabei die Rolle des Stichwortgebers. In verschiedenen Orten posieren Parteivertreter in jüngerer Vergangenheit vor zivilgesellschaftlichen Treffpunkten, verunglimpfen diese und markieren sie damit für ihre Anhänger*innen als Feinde.“, ordnet Felix Fischer ein.

TATMOTIVE IN DEN LANDKREISEN 2025

Seit Beginn des Jahres 2017 wird von ZEBRA – Zentrum für Betroffene rechter Angriffe ein systematisches und unabhängiges Monitoring durchgeführt. ZEBRA wird von dem Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ und dem Landesprogramm zur Demokratieförderung und Rechtsextremismusbekämpfung über das Landesdemokratiezentrum beim Landespräventionsrat Schleswig-Holstein gefördert.

Das Monitoring für Schleswig-Holstein basiert auf den Kriterien des VBRG – Verband der Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Demnach liegen den Zahlen direkte Kontakte mit den Betroffenen oder aber externe vertrauenswürdige Quellen zugrunde. Trotz dieser Vorgehensweise ist von einem großen Dunkelfeld auszugehen, weshalb es weiterer Anstrengung bedarf, dieses bestmöglich zu erhellen und Betroffene zu unterstützen. 

Die Statistik von ZEBRA wird mit den Daten des Landeskriminalamtes abgeglichen. Erfahrungsgemäß könnte es in den kommenden Monaten noch zu Nachmeldungen von Taten kommen, die im Jahr 2025 begangen wurde. Die daraus resultierende Statistik beinhaltet Tötungs- und Körperverletzungsdelikte, Bedrohungen sowie massive Sachbeschädigungen, denen eine politisch rechte, rassistische oder antisemitische Motivation zugrunde liegt. 

Die Pressemitteilung stellt keine Meinungsäußerung des BMFSFJ bzw. des BAFzA sowie des Ministeriums für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein und des Landesdemokratiezentrums dar. Für inhaltliche Aussagen trägt der oder die Autor*in bzw. tragen die Autor*innen die Verantwortung.